Zürcher Kunstturntage 2022

Kantonalmeisterschaft vom 14./15.Mai in Neftenbach

Beat Luginbühl und Duri Kunz waren frühzeitig nach Neftenbach angereist. Sie wollten nicht zu spät sein und es war noch ein Käfeli eingeplant. Spontan fingen sie dann aber noch an die Festwirtschaft und den Wettkampfplatz zu fotografieren. Man hat ja immer ein Handy mit Kamera in der Hand. Im Jahr 2023 wird Wetzikon nämlich diesen Wettkampf, also den nächsten Zürcher Kunstturnertag, organisieren. Sie haben dabei auch gesehen, dass es viele Helfer brauchen wird. Das war mal eine Vorankündigung, aber ich bin mal wieder abgeschweift. Wir waren beim Fotografieren was zwar auch nicht das Thema war, aber es passt, denn sie entdeckten unter den Kampfrichtern Peter Waffenschmidt, der für die Kunstturnerriege Wetzikon im Einsatz stand. Kampfrichtereinsätze der verschiedenen Riegen gehören auch zu jedem Wettkampf. Vielen Dank Peter!

In Neftenbach konnten wir mit der kompletten EP Gruppe antreten. Und ja, auch mit ihnen begannen wir mit spontanen und gestellten Fotos in den Vereinskleidern mit Sponsoren-Logos.

Nach dem Aufwärmen und dem geführten Einturnen an den Geräten starteten die Wetziker Jungs den Wettkampf am Pilz mit Eimer und beendeten ihn am Reck. Alle hatten bemüht geturnt und es gelangen auch mehrere Bonuselemente in den Übungen, die wie der Name sagt, Bonuszehntel einbrachten. Jon-Erik erfüllte die Gummibärchen Vorgabe und sprang am Sprung den ersten Salto zum Stand. Am Reck wurden die zuletzt misslungenen Bauchwellen sogar als Bonus gewertet. Freude herrscht!

Nein, nach dem Reck war natürlich noch nicht fertig! «Aber man hätte es können denken», humorvoll ausgedruckt. Die Konzentration liess nach und es wurden von der ganzen Gruppe wieder Zehntel, Punkte und Ränge verschenkt. Und am Boden bleiben noch Gummibärchen Wetten im Spagat offen. Der Heidiland Cup kommt ja noch :)

Jon-Erik wurde mit 70.475 Punkten 12., Tim mit 67.200 P 34., Juri mit 66.750 P 37., Elias mit 65.850 P 40. und Rico mit 59.900 P 60.

 

Stahlblauer Himmel, heisse Temperaturen, bestes Sommerwetter. Was möchte man mehr als einen wunderbaren Sonntag in der Turnhalle. Glücklicherweise ist die Wettkampfhalle in Neftenbach relativ neu, was die Temperaturen im Innern noch erträglich machen. Der vorhergehende EP-Wettkampf hatte etwas Verspätung, die im Einturnen wieder aufgeholt werden soll. Dank dem warmen Wetter brauchten wir vom P1 nicht wirklich viel Zeit fürs eigentliche Aufwärmen. Ein paar Runden rennen, Arme kreisen et voilà. Danach ging es gleich an die Geräte. Speziell an diesem Wettkampf ist das geführte Einturnen. Ein Modus, den man aus dem Mädchen-Kunstturnen kennt und jeder Gruppe ein Gerät für 5 Minuten zur Verfügung stellt, bevor dann ans nächste Gerät gewechselt wird. Ein Mini-Wettkampf eigentlich schon im Einturnen. Der Vorteil hierbei ist, dass sich Drängler aus anderen Vereinen nicht überall vordrängeln können. Der Nachteil ist jedoch, dass man gegen Ende der Einturnzeit nicht doch noch ein gewisses Gerät wiederholen kann, wenn etwas während des Einturnens noch nicht funktioniert hat. Alles in allen ist aber das geführte Einturnen eigentlich noch ganz angenehm.

 

Der Wettkampfstart vom P1 ist mit dem Startgerät Ringe ganz gut geglückt. Die Übung erfordert viel Kraft, ist technisch gesehen doch aber relativ einfach. Von daher war es nicht schlecht, gerade an den Ringen zu starten. Nach dem dritten Gerät, dem Barren, kam die Ernüchterung. Bei Ilian war die Leistung bisher nicht jene, die er sich selbst gewünscht hatte. Und auch Finn war sich nicht sicher, ob er nicht doch noch etwas besser in den Wettkampf hätte starten können. Lohnt es sich also, den Wettkampf überhaupt fertig zu turnen, auch wenn man weiss, dass die das Schlussresultat wegen den ersten drei Geräten nicht den Erwartungen entsprechen würde? Wenn schon der Schlussrang nicht zufriedenstellend sein sollte, so möge es doch zumindest die eigene Leistung an den verbleibenden Geräten sein. Glücklicherweise war gerade Duri angerollt und hat den kurzweiligen Ernst der Sache erkannt. Mit gutem Zureden baute Duri die Turner auf der Wartebank auf, damit sie mental wieder voll bei der Sache waren beim nächsten Gerät. Und so rauften sie sich nochmals zusammen und gaben auch an den verbleibenden Geräten ihr Bestes.  Die Gruppen waren aber relativ gross und der Wettkampf entsprechend lange. Somit ging es also nicht nur darum, wer am besten turnte, sondern auch wer die besten Nerven behielt und wer am meisten Durchhaltewille zeigte. Dies wurde dann am Boden, dem zweitletzten Gerät sichtbar, als sich doch der eine oder andere Patzer in die Übungen einschlich. Alles in allem aber ein solider Wettkampf.

 

Das persönliche Highlight von den Trainern war an diesem Tag, dass unsere beiden RLZ-Turner in der zweiten Abteilung eingeteilt waren. Dies hat den Leitern mal erlaubt, unseren beiden Wetziker Jungtalenten Quirin und Livio in aller Ruhe beim Turnen zuzuschauen. Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie viele Fortschritte sie machen und auf welch hohem Niveau sie turnen, auch wenn die P1-Übungen für sie wohl nicht allzu schwierig sein sollten. Der absolute Höhepunkt stellte die Reckübung von Livio dar: Eine phänomenale Übung. Gäbe es den Virtuositätsbonus noch, so hätte man ihn gleich zweimal vergeben können. Das Publikum ringsherum werweisste schon, was wohl das Kampfgericht an dieser Übung auszusetzen habe. Doch am Ende der Übung schauten die beiden Richter nur kurz auf ihre Blätter, dann einander an, tauschten ein paar Worte, nickten und tippten die Note ein: 14.000. Die absolute Höchstnote. Eine Note, die von niemandem im Publikum angezweifelt wurde. Eine Note die absolut verdient war. Normalerweise tendieren Kampfrichter dazu, bei guten Übungen immer etwas Makelhaftes finden zu wollen. Doch Peter Waffenschmidt, Kampfrichterchef des Recks und Wetziker, hatte hier Mut gezeigt und hier am Königsgerät gleich selbst die Note getippt. Natürlich hatte Livio nicht nur am Reck gut geturnt, weshalb es ihm dann auch gelang, an den 104. Zürcher Kunstturnertagen den Kantonalmeistertitel zu erringen (oder besser gesagt «zu erturnen»).

 

Weiter ging es mit der P2 Gruppe. Edgar und der Barren. Ein Gerät, das ihm eigentlich ganz gut liegt. Ausser er muss am hohen Barren Handstandschwingen. Und so kam es, wie es bisher an jedem Wettkampf kam, dass das Handstandschwingen im Einturnen gerade so funktioniert hat, am Wettkampf jedoch einer totalen Kapitulation gleichkam. Zum Glück aber ist Edgar mental sehr stark und kann solche Miseren gleich zu Beginn des Wettkampfs recht gut wegstecken. Zweites Gerät, Reck, neues Glück. Und so hat Edgar den Wettkampf doch noch sehr gut gemeistert. Am Ende erreichte Edgar den 30.Schlussrang.

 

 

Ein großartiges Wettkampfwochenende in Neftenbach geht zu Ende, grosse Vorfreude auf die Kunstturntage 2023 in Wetzikon!